Barlach -Teil 3

Barlach
Tafel am Museum Hohenlockstedt

Auf einer Tafel am Museum in Hohenlockstedt wird an Ernst Barlachs Aufenthalt in Lockstedter Lager erinnert. Sein kurzer Aufenthalt wird  als bestimmend für sein weiteres Leben eingeordnet: „Aus diesem Erleben wuchs sein Widerstand gegen Krieg und Gewalt“, steht auf der Tafel.

Ob sich Barlachs Wandel vom Kriegsbegrüßer zum radikalen Pazifisten tatsächlich in der Woche seiner Ausbildung in Lockstedter Lager vollzog kann man bezweifeln.

Sicher ist der Blick auf den Krieg im Jahr 1916 nicht mehr so euphorisch gewesen wie noch 1914. Waren 1914 freudig erregte Jubelschreie an der Tagesordnung, die vorauseilend überwältigende Triumphe der eigenen Nation über den Feind feierten, als träfen sich die Schlachtenbummlern vor einem Auswärtsspiel, das ohne Frage siegreich beendet werden würde, so trat langsam die schreckliche Realität ins Bild. In etwa so wird es Barlach gegangen sein.

Barlach war nach zweimonatiger Ausbildung zum Landsturmmann auf Petition seiner Künstlerkollegen Max Liebermann, Max Slevogt und August Gaul 1916 vorzeitg aus dem Dienst entlassen und bald zum Pazifisten geworden.

Wie geschieht so eine Wandlung?

In der Nachschau wirkt Barlach nicht politisch. Zum Kriegsbeginn ließ er sich von einer Welle der Begeisterung für einen Krieg hinreissen, die heute laut nach ausgrenzendem Nationalismus, Verächtlichmachung des Fremden und Heilsversprechen auf eine goldene Zukunft klingt. 1916 musste er mit Grausen feststellen, dass die Wirklichkeit anders als versprochen war. Das Leid, das der Krieg gebracht hatte, verarbeitete er fortan in seinem Schaffen.

Nach dem 1.Weltkrieg wurde Barlach zu einem erfolgreichen Künstler, um 1934 zu den 37 Unterzeichnern des Aufrufs der Kulturschaffenden vom 19. August 1934 zu zählen. Er bekannte, in „Vertrauen und Treue zu ihm (Adolf Hitler) zu stehen.“ Das Regime dankte es ihm nicht. Seine Kunst wurde zur entarteten Kunst erklärt und vielfach beschlagnahmt.

Barlach war zwar Pazifist, war aber auf eine andere Weise auf die Mechanismen hereingefallen, die zur Katastrophe des 1. Weltkrieges geführt hatten. Ausgrenzender Nationalismus, Verächtlichmachung des Fremden und ein Heilsversprechen auf die Zukunft verstellten den Blick und führten in den 2.Weltkrieg.

Und heute? Gibt es eine Partei oder gibt es politische Organisationen, die nach dem gleichen Prinzip auf Stimmenfang gehen?

Es gilt, wach für die Welt zu sein und sich aktiv am politischen Leben zu beteiligen. So gesehen ein Vermächtnis von Barlach an Hohenlockstedt.

 

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